Projektion Bismarck Hamburg


30.11. 18 Uhr
PROJEKTION BISMARCK
Erneute Projektion am 
Bismarck-Denkmal gut sichtbar 
von der Brücke Seewartenstrasse.  
Nach der spannenden Tagung mit dem Titel:
Dekonstruktion verstaubter Bilder 

Das Bismarck-Denkmal zwischen Dekonstruktion und künstlerischer Aneignung

Tagung im Metropolis-Kino, Hamburg 
1. - 3. November 2021 

Programm

Die Künstler*innen Gruppe „Projektion Bismarck“ diskutiert Perspektiven der Dekonstruktion und Aneignung des Bismarck-Denkmals im Alten Elbpark, Hamburg.

01./02.11.2021     Filme & Vorträge im Metropolis-Kino Hamburg

03.11.2021             Open-Air-Projektion auf das Bismarck-Denkmal im Alten Elbpark, Hamburg St.Pauli

 

Dienstag,  02.11.2021

13.00 Uhr         Begrüßung Dr. Alke Dohrmann, Ethnologin

13.05 Uhr         Über neue Kontexte im Alten Elbpark, Dr. Claus Deimel, Ethnologe

13.35 Uhr          Kurzfilme:

• Enthüllung des Bismarckdenkmals (1906, 6', Ch. Pulch)

  Kommentar: Thomas Tode, Filmemacher und Publizist

• Bismarcks Erleuchtung. Feudale Erinnerungsorte (D 2021, 12')

  Gespräch mit Rasmus Gerlach und Paul Kulms (Dokumentaristen)

• Xpanded Bismarck (2021, 12', R. Gerlach)

14.15 Uhr       Filmprojektionen auf den Koloss von Hamburg und andere denkmalsbezogene Orte

  Thomas Tode, Filmemacher und Publizist

14.45 Uhr     Pause

15.00 Uhr     Meine/deine oder unsere Geschichte? Eine denkmalpflegerische Schlachtfeldbesichtigung

  Dr. Ulf Ickerodt, Leiter Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein

15.30 Uhr     Bismarck antiautoritär

  Christine Sterly-Paulsen, Ethnologin und Künstlerin

16.00 Uhr    Diskussion

  Moderation: Dr. Alke Dohrmann, Ethnologin

Informationen zu den Filmen:

Programm 1.11.2021  

17 Uhr:

Les Maîtres fous / Die verrückten Herren (F 1957, 26’, OmU) von Jean Rouch zeigt die Antwort der afrikanischen Kunst auf den Kolonialismus. Die Sekte der Haouka verkörpern im Besessenheitstanz koloniale Figuren: den Korporal der Garde, den Lokomotivführer, den Gouverneur, Madame Lokotoro (Frau Doktor), laden ein zu einer „round table conference“. In Lumumba, der Tod eines Propheten (F 1991, 68', OmU) erzählt Raoul Peck vom ersten Premierminister des unabhängigen Kongo / Zaire, der 1960 abgesetzt und ermordet wurde. Ein Lehrstück darüber, wie der Kolonialzustand auch nach der „Unabhängigkeit“ andauert. Vieles bleibt im Schwarzbild ungezeigt, nicht aber Ironie, Sarkasmus und Wut des Autors.

 Einführung: Claus Deimel

 20 Uhr:

Eure Orte. Skizzen zur deutschen Kolonialarchitektur in Namibia (D 2014, 14') von Arne Bunk und Tanja Bächlein nähert sich Orten kolonialer Vergangenheit Deutschlands in Namibia. Was ist aus dem Gefängnis, dem Lazarett und dem Lager auf der Haifischinsel geworden? Schließlich verhängen die Autoren koloniale Denkmäler und zerkratzen ihre Filmbilder. Kurze Schatten (D 2013, 58') von Gerd Roscher: Tropenfieber. Vor mehr als 150 Jahren sind ganze Jahrgänge junger Männer nach Afrika aufgebrochen, um dort als Forscher Karriere zu machen. Auch Albrecht Roscher vom Hamburger Gymnasium Johanneum. Wie viele andere kehrte er nicht zurück, aber sie wurden Wegbereiter für die Junker, die große Teile des afrikanischen Kontinents für das Deutsche Reich unterjochten.

 Einführung Gerd Roscher

Programm 2.11.2021 

17 Uhr

Naua Huni

Barbara Keifenheim / Patrick Deshayes, D 1984, 64 Min
Dokumentarfilm über ein isoliertes Dorf der Huni Kuin im Amazonasgebiet, der die gewohnte Perspektive ethnografischer Filme umkehrt: Die Einwohner, die traditionell Distanz zu den Weißen halten, werden von den Filmemachern mit Aufnahmen aus dem Ruhrgebiet konfrontiert (u.a. rauchende Schlote) und kommentieren ihrerseits das Leben der deutschen "Eingeborenen", vergleichen es mit ihren Bildern im Rausch. 

Einführung: Thomas Tode

20 Uhr

Die Mauer

Jürgen Böttcher, DDR 1990, 99 Min
Eine Film über ein belastetes Denkmal: die Berliner Mauer zwischen Potsdamer Platz und Brandenburger Tor, ihre letzten Tage und den Abriss. Sinnliche Bilder und Toncollagen wecken Assoziationen; ebenso wie Filmprojektionen historischer Archivbilder auf die bemalten und von der Zeit angegriffenen Wände des inhumanen Bauwerkes.


Einführung: Gerd Roscher

Einleitung

Claus Deimel

Herzlich willkommen!

Heute [01.11.2021] beginnt mit mehreren Filmen zum Thema Kolonialzeit unser Programm „Projektion Kolonial/Projektion Bismarck. Das Bismarck-Denkmal zwischen Dekonstruktion und künstlerischer Aneignung“.

Wir beginnen heute mit zunächst zwei Filmen ab 17 Uhr, danach ab 20 Uhr zwei weitere Filme, die sich auch mit der Gegenwart einer Zeit befassen, die offensichtlich noch nicht beendet ist: die Kolonialzeit. Es gibt inzwischen zwar zahlreiche Begriffe für diese Zeit, die sie zum Teil beschönigen oder abzumildern versuchen. Tatsache ist jedoch, dass die vom 15. November 1884 bis zum 26. Februar 1885 unter Leitung Fürst Otto von Bismarcks in Berlin stattgefundene sogenannte Kongokonferenz oder auch Westafrika-Konferenz bis heute auf uns nachwirkt. Damals wurde Afrika unter Beteiligung aller europäischer Mächte inklusive der Türkei in Kolonialgebiete aufgeteilt, europäische Hoheitsgebiete, die die wirtschaftliche Ausbeutung Afrikas mit einem fadenscheinigen Zivilisationsauftrag begründen sollten.

Wir werden in den kommenden drei Tagen versuchen, Ursachen, Zusammenhänge, Weitergaben von Machtverhältnissen, Kontinuitäten von Überlegenheitsgefühlen und Rassismus und die fortgesetzte Ausbeutung afrikanischer Rohstoffe und menschlicher Arbeitskraft nachzuzeichnen. Filmisch und mit Vorträgen, wie sie unserem Programm entnehmen können.

Im Zuge der Auseinandersetzungen um die Existenz und die rezente Restaurierung des Hamburger Bismarck-Denkmals haben wir als Gruppe „Projektion Bismarck“ bereits mehrere aufwendige lichttechnische Projektionen von Bildern, Texten und Filmen auf das Denkmal im Alten Elbpark unternommen. Unser Ziel war zunächst, die Diskussion um das Denkmal aus dem bislang weitgehend elitär geführten Diskurs herauszunehmen und im Sinne eines Expanded Cinema öffentlich zu machen. Wir haben vor, dies weiterhin zu tun und auch mit Schulen und verschiedenen Interessengruppen zusammenzuarbeiten. Wir haben allerding nicht vor, hier einen Return zu nationalistischem Gedankengut oder anmutiger Hamburgensie mit farbenfrohen Illuminationen zu unternehmen, sondern dies ist ein kunstpolitisches Projekt, dass sich vor allem, aber nicht ausschließlich mit der Gegenwart der Auswirkungen der damaligen Afrikakonferenz befassen wird, – sich allerdings nicht als Teil von Verunglimpfungskampagnen à la Twitter o. ä. versteht, möchte ich betonen.

Sehen Sie zunächst als Einstieg in die Problematik den Dokumentarfilm „Die Herren des Wahnsinns“ von Jean Rouch. Der Film entstand um 1954 in Ghana, das damals noch unter britischer Kolonialherrschaft stand. Rouch hat dort die ganze Härte der innerafrikanischen Auseinandersetzung mit kolonialer Herrschaft und den kultischen Versuch, sich auf ritualistische Weise Macht aneignen zu können, dokumentiert. Er geht tief in religiöse Vorstellungen damaliger Zeit, ist auch nicht unproblematisch, gehört aber laut Kritik zu den bedeutendsten Dokumenten, die uns als Europäer einen Spiegel vorhalten und ein erschütterndes Bild zeigen, dass sich damals Afrikaner und Afrikanerinnen von uns machten. Einzelne Erklärungen gebe ich ihnen gern nach dem Film.

Abschließend möchte ich besonders dem Team des Metropolis danken, dass es uns diese Veranstaltung hier ermöglicht hat. Vielen Dank!
 

 

Koloniale Aggression

Gerd Roscher

7 Stationen: Denk mal Kilwa

Station 1:        Der Boom der Erinnerungskultur im 19. Jahrhundert bezieht sich vor allem auf verstorbene Feldherren und Krieger. In der Feudalzeit waren sie noch eingekauft und besoldet. Woden. jetzt ist es eine Ehre für Volk und Vaterland den Heldentod zu sterben. Die Erinnerung wertet ihn auf. Monumente sollen alles überdauern lassen. Notfalls muss ein 27 t schwerer Stein zurückgebracht werden. Wir aber werden mit dem großen Zapfenstreich bei der Stange gehalten. Die Erinnerungskultur ist eine staatliche Angelegenheit, die aber der Unterstützung sozialer Gruppen bedarf.

Station 2:        Kilwa im Herbst 1888. Im Aufstand der Küstenbewohner gegen die Deutsch-Ostafrika-Gesellschaft sterben zwei Juncker. Ihr Denkmal steht bis heute auf der Dorfstraße zwischen den Hütten. Es ist von Granaten umzäunt. Die Anwohner trocknen ihre Wäsche daran. Das Denkmal war wohl auch als Drohung, als Warnung gedacht wie manch anderes Denkmal in den Kolonien. Aber jetzt ist es fast unkenntlich überwuchert.

Station 3:        Zwei Jahrzehnte später leben einige Dutzend Deutsche in Kilwa. Die meisten sind Angestellte der Kolonialverwaltung der Polizei und des Militärs. Ein Bismarckturm, ähnlich einem Beobachtungsturm, ist an exponierter Stelle errichtet worden. Die Kolonie trifft sich zum Feiern. Flammen lodern in der Feuerschale. Auch dieses Denkmal ist heute überwuchert und verwaist.

Station 4:        Ein Ausblick. Die nächsten Eroberer, die englischen, haben dann die meisten Denkmäler zerstört oder zurückgeschickt wie das Wissmann-Denkmal nach Hamburg. 1981 wird Kilwa zum Weltkulturerbe erklärt.

Station 5:        Die Kolonialverwaltung wollte die Erinnerung an die Eroberung verstetigen. Kilwa war über ein Jahrtausend ein bedeutsamer Ort gewesen. Persische Fürsten, portugiesische Invasoren, arabische Sultane. Kilwa war aber auch der Endpunkt großer Karawanen, die Sklaven an die Küste transportiert haben. Das wird auch Thema in meinem Film sein, den wir nachher sehen.

Station 6:        Wie gesagt – das Kolonialamt wollte die Spuren der Vergangenheit sichern und nicht nur das Land, sondern auch seine Geschichte in Besitz nehmen. Es veranlasste, dass eine Sammlung an das ethnographische Museum in Berlin geschickt wird, die bis heute kaum erschlossen ist.

Station 7:        Auf YouTube findet sich ein Film von Gymnasiasten aus Kilwa über eine Fahrt zu einem Denkmal. Es erinnert an den Aufstand gegen die deutsche Kolonialherrschaft. Eine eigene Erinnerungskultur.

(Bild rechts: Karikatur Bismarcks zur "Kongo-Konferenz", 1884/85, in einer zeitgenössischen französischen Illustrierten. Mary Evans Picture Library)

Über neue Kontexte im Alten Elbpark

Claus Deimel

Die Bismarck-Debatte, zuletzt mit besonderem Bezug zu seinen Verwicklungen zur deutschen Kolonialzeit, ist heute eine innerdeutsche Schulddiskussion. Sie öffnet nicht den Blick auf die wahren Probleme z. B. im heutigen Afrika oder auf andere ehemalige Kolonien, die sich heute allesamt in einem Stadium des Neokolonialismus befinden, genauer gesagt, die sich in einer Hochzeit eines bis jetzt andauernden virulenten Kolonialismus befinden!

Was diese Länder, Regionen, Kulturen von unserer Hamburger Bismarck-Diskussion haben, möchte ich mal als Frage in den Raum stellen. Dennoch ist diese Diskussion für uns und unsere Beziehungen zur Kolonialzeit bis auf heute immens wichtig, sie sollte aber, denke ich, in weiteren Kontexten geführt werden als bisher, wo diese Diskussion eher als eine elitäre erscheint, für die sich bisher die große Mehrheit der Hamburger Bevölkerung wenig oder gar nicht interessiert.

Mit ‚weiteren Kontexten‘ meine ich über die geschichtsanalytische Betrachtung des Bismarck-Denkmals hinaus die stadtgeographischen und daraus erwachsenen nachbarschaftlich-sozialen lokalen Kontexte, innerhalb derer sich die Figur übermächtig, fremd und unheimlich bis heute erhebt und jetzt inzwischen sandstrahlmäßig gereinigt doppelt fremd aus einer preußisch-hamburgischen Historie herunterschaut, die jetzt keiner mehr will und in ihrer ursprünglichen Konfiguration auch nicht mehr verstehen kann.

Nach einem Überschwang an Sympathie, die Bismarck noch zu Lebzeiten auch deshalb genoss, weil er zum positivistischen Gegenbild des ungeliebten Kaiser Wilhelm II. gemacht worden war, kam es zur Errichtung seines Denkmals durch im Kolonialhandel reich und reicher werdende Hamburger Kaufleute im Jahr 1906. Der Kult um Bismarck wurde über die Jahre hinweg mit wechselnden politischen Interessenlagen weitergetragen, um schließlich von den Nazis noch zum Bunker umgebaut zu werden, um dieser Figur damals eine unmenschliche „Endbestimmung“ zu geben.


Mit der danach beginnenden, im Schneckentempo vorrankommenden Demokratisierung musste diese Figur mehr oder weniger zwangsläufig verkommen, und mit ihr eine ganze Umgebung, die vordem noch ein gepflegter Garten und eine Ausstellungfläche gewesen war.

Ich meine den Alten Elbpark, der die ehemalige Bastion Casparus umfasst und in dessen Mitte die Figur seit 1906 steht. War die Figur noch in den fünfziger und sechziger Jahren gut von allen Seiten zu sehen, so änderte sich das etwa ab Mitte der siebziger Jahre. Die Figur wuchs immer mehr zu und der Park, kaum gepflegt, blieb im Gegensatz zu allen anderen Positionen der ehemaligen Wallanlage vergessen, bis zuletzt noch nicht mal mehr die Lampen zur Erleuchtung der Figur ausgewechselt wurden. Der Ort verkam zu einer Art (Entschuldigung) „Pinkelpark“, sozusagen als Ausdruck für eine Perspektivlosigkeit gegenüber diesem Denkmal, das so manche lieber hätten gern abgerissen gesehen. Doch die politischen Verhältnisse entschieden, wie man weiß, anders und wir haben jetzt im Grunde nichts anderes als ein Riesenproblem, das sicherlich mit einem Gegenkunstwerk und ein paar Erklärungsschildern nicht gelöst werden kann.

Es kann hier aber auch nicht um die Rettung vom Komplex Bismarck gehen, sondern vielmehr um eine Erzählung und lebendige Darstellung einer bislang noch nicht vollständig erkannten Regional- und Kolonialgeschichte, die sich in dem bislang vernachlässigten Park auf verschiedene Weisen ausbreiten könnte. Diese Figur muss eine Veränderung erfahren, wie auch immer. Ich möchte das im Detail aber im Raum stehen lassen, zumal wir als Gruppe Projektion-Bismarck das Denkmal ja derzeit als Projektionsfläche nutzen, wie Ihnen später Thomas Tode noch genauer erklären wird.

Ich denke daran, wie in Zukunft mit der unmittelbaren Umgebung des Kolosses umzugehen sein wird, wie man also den Alten Elbpark sinnvoll und für die Anrainer verständlich nutzen könnte. Ich schlage einen Themenpark vor, der dem derzeitigen Geschichtsverständnis um diese Figur Rechnung trägt, also die Konflikte um diese offenlegt, diskutiert und aktualisiert. Ein Themen- und Veranstaltungspark, der nicht im Gestern bleibt, der aktuell ist, in Bewegung bleibt und sich mit der neokolonialen Gegenwart und unseren Verwicklungen darin befasst. Damit meine ich nicht irgendwelche Schildchen und Figürchen, sondern eine aktive, bewegungsreiche Auseinandersetzung mit dem Thema, das sich auch an die Kinder richten soll, die bisher (mal wieder) in der ach so wichtigen Diskussion der Erwachsenen so gut wie keine Rolle spielen.

Ich würde den Alten Elbpark den Flüchtenden bzw. Geflüchteten der Welt widmen, denn sie sind die direkten Leidtragenden einer bis heute andauernden Politik der Bevormundung und Ausschließung von Märkten, die seit der frühen Kolonialzeit andauert. Ich möchte diese Widmung nicht als Gegendenkmal mit naseweisen Erklärungen verstehen, an dem man vorbeigeht und es wieder vergisst. Hier geht es um die Aktualisierung einer Situation. Hier müssten Gelegenheiten zur offenen Diskussion geschaffen werden, hier sollten Geflüchtete erzählen, ihre Künste vorstellen, ihre Musik. Verschiedene politisch-kulturelle Plattformen könnten geschaffen werden, die sich im Park verteilen würden, dazu ein Kulturcafé, damit der Park auch nachts bevölkert und beleuchtet ist. Es gibt übrigens genügend Objekte, die auf die Geschichte der Geflüchteten bis heute hinweisen können. Auch gibt es zahlreiche kleine ehemalige Kolonialdenkmäler, die eventuell hier in überlegter Weise zusammenkämen. Doch geht es mir in diesem Park weniger um Objekte als um die Menschen und ihr aktuelles Leben.

Man muss diesem übermächtigen Koloss Bismarck-Denkmal das Alleinstellungsmerkmal streitig machen, indem man zu seinen Füßen Leben schafft und ihm die Anbetungsform nimmt. Zugleich soll die Figur beständig durch abendliche Projektionen in den Fokus genommen werden. In verschiedenen Schulprojekten, die unsere Gruppe Projektion Bismarck vorbereitet, sollen Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Visionen und Erkenntnisse an diese Figur projizieren. Das sind also Filmprojekte für Hamburger Schulen, die hier einen öffentlichen Raum finden sollen. Wir werden im Laufe unserer kleinen Tagung bestimmt darüber noch sprechen können.

Natürlich soll dieser Alte Elbpark, nunmehr zu einem neuen Park der Begegnung mit politisch-kulturellem Hintergrund geworden, kein Völkerkundemuseum werden, sondern die Anliegen von Migrantinnen und Migranten wiedergeben. Es muss allerdings klar werden, ob das überhaupt so gewünscht ist, das wäre also noch zu erarbeiten, ebenso wie viele Details, die einen solchen Park der Geflüchteten ausmachen könnten. Ich denke, dass der Hansestadt Hamburg, die ihren Reichtum einem kolonialen Hintergrund verdankt, es gut anstehen würde, ein solches Zeichen zu setzen und damit dem Bismarckdenkmal einen Teil seiner monumentalen Macht nehmen würde. Ich werde Ihnen jetzt einige historische Bilder zeigen, die demonstrieren könnten, was aus dem Park noch werden kann.

(Bild rechts:Internationale Gartenbauausstellung von 1869, Barbara Engelschall und Hans-Helmut Poppendiek (2020): Mehr Berufung als Beruf. Die Gärtner der Wallanlagen. In: Heino Grunert (Hg.): Die Hamburger Wallanlagen. Von der Festung bis Planten un Blomen. München und Hamburg, 2020, S. 295.)

Einführung zum Film „Enthüllung des Bismarck Denkmals“

Thomas Tode

Der Film wurde 2021 neu digitalisiert, aber leider nicht vom noch vorhandenen 35mm-Negativ, sondern vom Positiv einer Kompilation von 1970, nicht in 4K-Qualität (empfohlen von der Filmförderungsanstalt FFA für die Digitalisierung des „Deutschen Filmerbes“), nicht mit der korrekten Geschwindigkeit und auch ohne Restaurierung, etwa einzelner Filmkader bei ausgeschlagener Perforation.

Der Bismarck-Film ist nach den Lumière-Filmen von der Lombardsbrücke und der Grundsteinlegung für das Denkmal vorm Altonaer Rathaus der älteste erhaltene Film aus Hamburg überhaupt. Laut einem Dokument aus dem Hamburger Staatsarchiv von 1957 hat der Hamburger Senat die 35mm-Filmkopie von Christian Pulch erworben – am 8.11.1912, also sechs Jahre nach dem gefilmten Ereignis. Pulch, damals in Berlin, zuvor aber in Hamburg wohnhaft, ist ein Gastwirt, in dessen Etablissements auch Filmveranstaltungen stattfanden. Eine Liste der Gewerbepolizei zählt 1906 sieben Wirtschaften auf, in denen Filmvorführungen veranstaltet wurden. In dieser Zeit etablieren sich gerade die ersten stationären, dauerhaft betriebenen Kinos. Eine speziell für Hamburg wichtige Gruppe von Kinogründern sind die Gastwirte. Im „Hamburger Adressbuch“ von 1906 finden wir zwölf Wirte, die sich später als Kinogründer erweisen. Zu der uns interessierenden Person schreibt Ariane Scharfenberg: „Ein weiterer Wirt ist Christian Pulch, ab 1908 Besitzer des „Central Theaters“, der im ‚Hamburger Adressbuch‘ von 1907 auch noch mit einem weiteren Vergnügungslokal, in dem wahrscheinlich ebenfalls Kinovorstellungen den Schankbetrieb ergänzten, eingetragen war.“

Das „Central Theater“, laut Werbung: „Hamburgs feinstes Theater lebender Fotographien“,wurde 1906 am Glockengießerwall 15 erbaut, befand sich ideal gelegen gegenüber der heutigen Kunsthalle, von der damals aber nur der Gründungsbau stand, und gegenüber vom Hauptbahnhof, der im Dezember 1906 eröffnet wird. Das Kino war – ebenso wie das zum Georgsplatz hin orientierte „Central-Restaurant“ (Glockengießerwall Nr. 12) – günstig und „zentral“ gelegen für Laufkundschaft und hatte sich möglicherweise auf nationale vaterländische Filme spezialisiert oder konnte damit rechnen, dass diese damals generell gern gesehen wurden.

Vermutlich war Pulch also der Auftraggeber und Produzent des Films, denn es ist ja belegt, dass er 1912 diesen Film an den Hamburger Senat weiterverkauft hat. Sicherlich hatte er zuvor die Filmkopie in seinen Hamburger Kneipen und Kinos über Jahre ausgewertet und danach durch den Verkauf an den Senat seine Investition noch versilbert. Die Perforation ist sehr ausgeschlagen, der Bildstand springt sehr hin und her, was für eine lange Nutzungszeit spricht. Als Kameramann kommt nach einer Quelle Ascan Gerdts infrage.

Zur Einführung und Lesehinweis: Man kann den Filmbildern sehr gut entnehmen, dass das Bismarck-Denkmal aus einer bürgerlichen Initiative und Veranstaltung erwachsen ist, in der das Verdienst um die Reichseinigung nicht als Monarchenwerk, sondern als bürgerliches Verdienst hingestellt worden ist. Wir sehen für Honoratioren reservierte Plätze, bürgerliche Standespersonen in Zylinder, Frack, große Damenhüte, Abendkleid, vorfahrende Kutschen, Absperrungen, livrierte Platzanweiser, auch Militär, aber nicht hervorgehoben, selbst Kinder. Das Planbare unterstreichen Polizisten an den Absperrungen auf der Straße und auch mit Buchstaben gekennzeichnete Sitzbereiche, das Unplanbare dagegen dokumentiert der Film: Anfangs ist es noch trocken, dann erscheinen plötzlich Regenschirme: also ganz normales Hamburger Wetter. Der Ablauf ist simpel: Musikvortrag einer Kapelle unterhalb des Sockels, in der Totale als Redner Bürgermeister Johann Georg Mönckeberg, dann greift der Wind und die Helfer in die Verhüllung der Statue, zerren die Hülle herunter – wie Horst Königstein mal so schön sagte: „wie ein großes Präservativ“. Beim letzten Schwenk über Rednertribüne und Bürgermeister sehen wir rechts von ihm große Stative mit Plattenkameras für die Berichterstattung.

(Bild rechts: Aus Bauheft 02,Rückseite, Schaff-Verlag, Hamburg 2017)

 

 

Meine/deine oder unsere Geschichte? Eine denkmalpflegerische Schlachtfeldbesichtigung

Ulf Ickerodt
 

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich freue mich, dass ich heute zu dieser Veranstaltung „Das Bismarck-Denkmal zwischen Dekonstruktion und künstlerischer Aneignung“ mit einem kleinen Impuls beitragen kann. Mein Dank gilt zunächst den Veranstaltern, vielen Dank für die Einladung, die ich gerne angenommen habe.

Erlauben Sie mir, dass ich mich Ihnen ein wenig vorstelle, damit sie meine Ausführungen etwas besser einordnen können. Ich bin Leiter einer oberen Denkmalschutzbehörde, die für den Bereich Schleswig-Holstein bis auf Lübeck zuständig ist. Bei uns laufen die Fäden der Bauleitplanung, aber auch alle denkmalrechtlichen Entscheidungen über Erhalt, Translotion oder Zerstörung von Denkmalen zusammen. Ich spreche also als Vertreter einer Zunft zu Ihnen, die von Berufs wegen – Sie erlauben mir dieses Bild – die Geschichtsquellen bzw. ihr eigenes Untersuchungsmaterial zerstört, denn jede Ausgrabung ist auch eine Zerstörung. Daher will jeder Schritt gut überlegt sein und die archäologische Denkmalpflege hat in den letzten über 200 Jahren hierfür ein breites Verhaltensrepertoire entwickelt.

Es wird in meinem Beitrag weniger um das Hamburger Bismarck-Denkmal selbst gehen, als um den Abwägungsprozess, der Entscheidungen über Erhalt, Translotion oder gar eine – hoffentlich kontrollierte – Denkmalzerstörung trägt. Heute kann zum Glück nicht jeder nach archäologischen Funden und Fundstellen suchen, wie es ihm gefällt, und damit Denkmale oder Fundstellen zerstören. Das archäologische Erbe eines jeden Landes würde gegenwärtig, das zeigen die Erfahrungen des 19. Jahrhunderts, genauso schnell und zumeist unbeobachtet verschwinden wie damals.

Um den schleichenden Verlust des in meinem Fall archäologischen Erbes zu verhindern, haben sich die unterschiedlichen Länder Denkmalschutzgesetze gegeben und diesen Gedanken auch in überstaatlichen Verträgen geregelt. Dabei geht es nicht nur um potenzielle wissenschaftliche Erkenntnis, sondern auch um die Bedeutung von Denkmalen für uns Menschen. Denkmale sind zunächst einmal elementare, weil konstituierende Elemente unserer Erinnerungskultur. Sie sind Teil eines räumlich und zeitlich fest umschreibbaren kulturellen Gedächtnisses, wie Jan Assmann in den letzten Jahrzehnten herausgearbeitet hat. Die gesellschaftliche Relevanz von Erinnerung ist in unzähligen Artikeln, Vorträgen usw. herausgearbeitet worden. Daher reicht für unseren Zusammenhang ein Zitat von George Orwell aus seinem Roman 1984. Orwell beschreibt einen totalitären Staat, in dem „von den Denkmälern angefangen“ (Orwell, 1981, 42) die Vergangenheit frisiert wird. „Abgeschnitten von der Berührung mit (…) der Vergangenheit, gleicht der Bürger(…) einem Menschen im interplanetarischen Raum, der keinen Anhaltspunkt hat, in welcher Richtung oben und unten ist“ (Orwell, 1981, 183).

Denkmale sind für uns Menschen etwas Grundlegendes. Sie sind Elemente einer spezifischen kulturellen Sphäre und stehen für Identität. Denkmale sind Ausdruck gemeinsamen Wissens und bilden ein Stück weit auch das Selbstbild von Gesellschaften ab. (Bei dieser Einschränkung kommt der Archäologe in mir durch. Sie ist das Produkt methodologischer Grenzen.)

Denkmale stehen für gemeinsame Erfahrungen, Erwartungen, aber auch für das Erinnern an gemeinsames Handeln und Tun. Denkmale sind wiederkehrende Muster und damit Grundelemente der kollektiven Struktur von Kultur. Im Hintergrund sehen Sie ein Langbett, ein Großsteingrab der Jungsteinzeit, wie sie hier bei uns in Norddeutschland scheinbar spontan vor 5-6.000 Jahren errichtet wurden. Sie sind Ausdruck der entstehenden jungsteinzeitlichen Gesellschaften, die mit den monumentalen Grabdenkmalen genauso wie wir mit unseren Denkmalen mit den nachfolgenden Generationen kommunizieren wollen.

Jan Assmann, aus dessen Buch ‚Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen‘ die folgenden Gedanken entnommen sind, stellt die Notwendigkeit heraus, zwischen den folgenden Generationen Kommunikation aufrechtzuerhalten. Er nennt das Kontinuierung.

Denkmale sollen in den jungsteinzeitlichen, aliteralen Gesellschaften als Symbol, Ikone, Erinnerungsort, d. h. als Bedeutungsträger für Traditionsbildung sorgen. Es geht also um transgenerationale Weitergabe von Kultur, von Generation zu Generation. Innerhalb von sogenannten Wir-Gruppen sorgt das Prinzip der Erinnerung als Teil der Ethnogenese für sozialen Zusammenhalt. Die andere Seite dieser Medaille ist der Umstand, dass das Prinzip der Erinnerung immer auch mit dem der Auserwähltheit einhergeht. Es geht um inkludierende und exkludierende Erinnerungsgemeinschaften.

Als im März 2001, vor inzwischen mehr als 20 Jahren, in Afghanistan die Buddha-Statue von Bamian von den Taliban gesprengt wurde, war dies ein weltweit bemerktes Beispiel für einen politisch motivierten Ikonoklasmus. Die Bezeichnung politischer Ikonoklasmus oder Denkmalsturz bezeichnet eine politisch angestrebte Beseitigung oder Zerstörung von Herrschaftssymbolen oder Herrschaftsbildern. Sie kennen das aus dem antiken Ägypten, wenn Namenskartuschen von Pharaonen entfernt werden. Ihre Existenz soll getilgt werden.

Ein solcher Ikonoklasmus vollzieht sich zumeist in Zusammenhang mit dem Sturz eines Herrschers oder dem Zusammenbruch eines politischen Systems. Das Zerstören von Denkmalen zielt in einem solchen Prozess darauf ab, Machtverlust symbolisch sichtbar zu machen. Die Symbole vergangener oder untergegangener Herrschaft sollen dauerhaft aus der öffentlichen Wahrnehmung entfernt werden.

Betrachten wir den Denkmalsturz in Afghanistan: Der politische Ikonoklasmus ist Ausdruck eines über Erinnerung oder besser über Erinnern und Vergessen ausgetragenen Wertestreits. Mit der Zerstörung der Buddha-Statue soll im Orwell’schen Sinne zunehmend auch die Erinnerung an eben diese Statue und den damit verbundenen Glauben ausgetilgt werden. Aber so einfach funktionieren die Dinge nicht! Erinnerung findet ihre materialisierte Form zwar in Monumenten, aber eben auch im praktischen Handeln und Tun, z. B. in Form von Gedenktagen, oder in sprachlicher Form, z. B. in Debatten. Dieses alles trägt zur sozialen Kohärenz bei. Vergessen, ein Aspekt, der implizit mitschwingt, setzt immer dann ein, wenn Denkmale ihre ursprüngliche Bedeutung verlieren.

Für uns heute haben Denkmale vor diesem Hintergrund eine zweite Bedeutungsschicht erhalten: Als Geschichtsquellen sollen sie unser gemeinsames Erinnern stimulieren und uns unser Werden bzw. Gewordensein versinnbildlichen. Das Erhalten von Denkmalen, seien es schwierige oder schöne, angenehme oder unangenehme, hat also etwas mit unserer staatlich abgesicherten Erinnerungskultur zu tun. Eine lebendige Demokratie kann auch schwierige Denkmale aushalten, sie muss es sogar.

In der Erinnerungskultur kann es nicht um richtiges oder falsches Erinnern gehen, da sie immer im Zusammenhang mit Erfahrungen, Lebensweisen und Weltanschauungen verbunden ist. Diese ist immer subjektiv. Wenn denkmalpflegerische Entscheidungen zu fällen sind, dann sollten die in einer objektivierten Form geschehen. Es kann in Massengesellschaften im öffentlichen Raum immer nur um abgesicherte Erinnerungen gehen.

Ein Schlüsselaspekt ist daher innerhalb unserer heutigen, wissenschaftsorientierten Mediengesellschaften das Kriterium der Echtheit. Es geht nicht um das Authentische. Echtheit umfasst im deutschen Sprachgebrauch immer den Aspekt des Geprüften. Es kann also nur um verbürgte Geschichte gehen. Und genau das ist eine Aufgabe des Denkmalschutzes, seien es schöne oder schwierige Denkmale. Wäre Bamian ein Denkmal in Schleswig-Holstein, so würden wir die Höhle, die mit der Herausarbeitung der Buddha-Statue entstand, unter Denkmalschutz stellen. Vermutlich den vorhandenen Schutt der Sprengung ebenfalls. Verbliebene Relikte, d. h. das Fundmaterial, würde geborgen werden und käme ins Depot. So können folgende Generationen immer wieder die Echtheit des Denkmals überprüfen.

Beides, Authentizität und Echtheit, stehen für mehr oder weniger verbürgte Geschichte, wobei Authentizität ohne Prüfung auskommt. Als Archäologe, der sich mit der Wirkungsgeschichte seiner Disziplin auseinandersetzt, möchte ich auf einen Nebenaspekt hinweisen. Bodenfunde und Denkmale, das haben wir bei Orwell gehört und gleich aus der Erfahrung zweier deutscher Diktaturen lernen müssen, sind trotz verbürgter Echtheit kein Garant für den Schutz vor politischem Missbrauch. An Denkmalen können sich, wie Walter Benjamin (2011) in seinem Kunstwerkaufsatz sehr schön herausgearbeitet hat, auch das manifestieren, was der Historiker Erik Hobsbawm (1998) als erfundene Traditionen bezeichnet hat.

Doch kommen wir nun zum Kernthema, das Hamburger Bismarck-Denkmal. Es ist aus denkmalpflegerischer Sicht ein Erzeugnis, das seinerzeit sowohl mit einer klaren politischen Botschaft an die Bürger des Deutschen Reichs gerichtet wurde als auch Produkt eines weitreichenden sozialen Prozesses. Botschaft und der Wille, diese Botschaft zu artikulieren, sind durch eine dialektische Beziehung verbunden. Der Funktionsrahmen dieser symbolischen Repräsentation ist sowohl Identitätskonstituierung als auch -sicherung ab der Reichsgründung 1871.

Es geht – die Perspektive ist die des 19./ frühen 20. Jahrhunderts – um die Kontinuierung der eigenen, gerade entstehenden Identität oder deren Reproduktion in eine Zukunft, die als die gleiche gedacht wird, wie die, in der man lebt. Für uns heute, deren kulturelles Sein Produkt dieser Entwicklung ist und die wir mit Science-Fiction groß geworden sind, ist die Welt – man ist geneigt, nach Star Trek bzw. Raumschiff Enterprise zu sagen – viel, viel bunter geworden. Der ursprüngliche Inhalt der an uns über das Denkmal gerichteten Botschaft erreicht uns nicht mehr. Als Geschichtsquelle, die die Bismarck-Denkmale oder -Türme darstellen, bietet sie jedoch die Möglichkeit, insofern die Botschaft historisch aufbereitet ist, uns mit dieser Vergangenheit auseinanderzusetzen. In ihrem Fall kann diese Auseinandersetzung keine lokal begrenzte sein. Betrachten wir einmal neben dem Bismarck-Denkmal die Bismarck-Türme, so erweisen sich diese als ein zwar weltweites, aber schwerpunktmäßig europäisches kulturelles Erzeugnis.

Aus Blick einer Archäologie der Moderne handelt es sich um eine wichtige Quellengattung, über die sich die Entstehung einer ‚deutschen‘, reichsweiten Identität belegen und deren Auswirkung sich bis nach Übersee verfolgen lässt. Denkmalpflegerisch sind die BismarckTürme ebenfalls eine spannende fachliche Herausforderung. In den europäischen Nachbarländern sind sie Teil der Erinnerungskultur der ehemaligen Kriegsgegner und Besatzer oder beispielsweise in Kamerun und Tansania des ehemaligen Kolonialherren. Dies ist für keine der beiden Seiten ein einfaches Erbe.

Die Aufarbeitung dieses Erbes ist allerdings kein einfacher Prozess. Gemeinsames Erinnern innerhalb von Erinnerungsgemeinschaften hat immer ein ausschließendes, exkludierendes Momentum. Von archäologisch-denkmalpflegerischer Seite aus ist dies, nicht bei jedem Denkmal, sondern insbesondere bei den Denkmalen, die von lokaler, regionaler, nationaler oder weltweiter Bedeutung sind, eine spannende Herausforderung. Wer will sich wie erinnern? Wer soll sich wie erinnern? Diese Problemstellung, die Denkmalpflege insgesamt immer lösen muss, haben wir auf die titelgebende Fragestellung verdichtet: Meine Geschichte, Deine Geschichte, eine denkmalpflegerische Schlachtfeldbesichtigung.

Auf der einen Seite steht ein Aspekt archäologisch-denkmalpflegerischer Arbeit. Es geht, wir leben in einem Rechtsstaat, um denkmalrechtlich abgesicherte, d. h. rechtlich überprüfbare Entscheidungen, die das Wohl des Denkmals aber auch das berechtigte Interesse nachfolgender Generationen im Blick haben. Auf der anderen Seite steht die Bedeutung eines Denkmals, die es innerhalb unterschiedlicher Erinnerungsgemeinschaften in einer pluralistischen, liberalen Massengesellschaft hat.

Dem sich daraus ergebenden Spannungsfeld hat der deutsche Soziologe Claus Leggewie (2011) vor über zehn Jahren ein Buch gewidmet „Der Kampf um die europäische Erinnerung. Ein Schlachtfeld wird besichtigt“. Der Titel mag auf den ersten Blick exkludierend wirken. Er ist aber durchaus nicht so gemeint. Im Zentrum der sieben Kreise der europäischen Erinnerung steht der Holocaust. Der Bogen ist dann über den Gulag, ethnische Säuberungen, Kriege und Krisen, Kolonialverbrechen, Migrationsgeschichte bis hin zur europäischen Integration zu spannen. Wie erinnert man in dieser Gemengelage richtig?

Ich kann Ihnen an dieser Stelle auch keine Antwort geben. Die Antwort müssen Sie selbst finden und der Weg muss nicht zwangsläufig einfach sein. Den Selbstanspruch, dem wir als Gesellschaft genügen müssen, kann ich Ihnen hingegen nennen. Wir müssen uns der mit einem Denkmal verbundenen historischen Herausforderung und Verantwortung stellen.

Springen wir zurück zu den jungsteinzeitlichen Denkmalen. Irgendwann verlieren sie ihre Bedeutung und werden Jahrtausende später im 19. Jahrhundert als Geschichtsquellen entdeckt. Manche von ihnen wurden zerstört, manche von ihnen haben die Jahrtausende relativ unbeschadet überstanden. Dass sie heute in relativer Sicherheit als Geschichtsquellen erlebt werden können, ist das Ergebnis von Überlieferungsbildung.

In Schleswig-Holstein haben wir uns 1958 als erstes Bundesland dazu entschlossen, unsere Denkmale zu erhalten. Es geht also um Kriterien. Denkmalwürdigkeit, Denkmalfähigkeit und Denkmalwert sind Grundlagen für unsere Entscheidung, Objekte wie Archivböden, bewegliche und unbewegliche Denkmale oder Kulturlandschaftselemente unter Denkmalschutz zu stellen, um sie langfristig zu erhalten. Bezugspunkt ist dann der Denkmalwert. Historischer, wissenschaftlicher, künstlerischer, städtebaulicher, technischer und der die Kulturlandschaft prägende Wert sind gesetzlich geregelt (bei uns in Schleswig-Holstein).

Um aber den Denkmalwert zu ermitteln, müssen wir uns über die Qualität eines potenziellen Denkmals klar sein. Die Denkmalpflege hat seit dem 19. Jahrhundert eine Vielzahl an Aspekten entwickelt, wie den Archiv-, Quellen- oder Zeugniswert, um nachvollziehbare Entscheidungskriterien zur Verfügung zu haben. Während der Archiv-, Quellen- oder Erzeugniswert über Kriterien wie Integrität und Echtheit gut fassbar sind, ist der Aspekt des Erlebniswertes eine Herausforderung, da Erkenntnis-, Bildungs- oder ästhetischer Wert immer an weltanschauliche Rahmenvorstellungen gebunden sind. Und diese können sehr unterschiedlich sein. Diese Ebene weltanschaulicher Rahmenvorstellungen ist immer mit ideellen Vorstellungen und emotionalen Werten belegt, genauso wie über Denkmale moralische und normative Werte vermittelt werden. Die eine Ebene tangiert das Fühlen. Die andere die Frage unserer normativen Grundlagen und Wertvorstellungen.

Sie sehen, sehr verehrte Damen und Herren, es kann kein Richtig oder Falsch geben, sondern nur eine bewusst herbeigeführte Entscheidung, die möglichst viele Aspekte berücksichtigt und immer unsere verfassungsrechtlichen Grundlagen als Werte und Normenkanon im Blick hat. Wie zu Beginn meines Referates angekündigt, habe ich bewusst mehr Fragen aufgeworfen, als ich beantworten wollte. Es steht mir nicht zu, mich als Außenstehender in Ihre Diskussion inhaltlich einzumischen. Daher möchte ich Ihnen mit dem Hinweis auf die Idealtypen kollektiver Erinnerung nach Leggewie (s. o.) noch einen abschließenden Impuls mitgeben.

Grundsätzlich verhindert ein öffentliches Denkmal das Vergessen oder Verschweigen. Dieser Aspekt der verschwiegenen Erinnerung ist etwas, was grundsätzlich Auswirkungen hat. Ehrlichkeit ist nach meiner Auffassung immer die beste Grundlage für ein Miteinander. Der verschwiegenen Erinnerung steht die kontestierte Erinnerung gegenüber. Ein Denkmal im öffentlichen Raum kann nicht verschwiegen werden. Es zwingt zur Selbstreflexion, jeden von uns. Auch wenn Erinnerung immer ein exkludierendes Moment hat, in diesem Fall geht es um nationale Erinnerung, beinhalten Denkmale immer auch die Möglichkeit der Konsensstiftung. Alte Gräben können überwunden werden. Bei Entscheidungen um schwierige Denkmale kann es also nicht um ein unkommentiertes Auslöschen gehen, sondern um den kommentierten Erhalt.

In der Hoffnung, Ihnen bei Ihrer Diskussion einen zielführenden Impuls gegeben zu haben, bedanke ich mich für Ihre Aufmerksamkeit und stehe für Fragen zur Verfügung.

Bild oben rechts: "Langbett", Grab der Jungsteinzeit, Foto: U. Ickerodt

Literatur

Assmann, J. (1997): Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen. München: Verlag C. H. Beck.

Benjamin, W. (2011): Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Mit Ergänzungen aus der Ersten und Zweiten Fassung. Herausgegeben von B. Lindner. Stuttgart: Reclam Verlag.

Hobsbawm, E. (1998): Das Erfinden von Traditionen. In: Ch. Conrad und M. Kessel (Hrsg.), Kultur & Geschichte. Neue Einblicke in eine alte Beziehung. Stuttgart: Reclam Verlag, 97-118.

Leggewie, C. (2011): Der Kampf um die europäische Erinnerung. Ein Schlachtfeld wird besichtigt. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

Orwell, G. (1981). 1984. Frankfurt/Main, Berlin, Wien: Ullstein.

 

Bild zum Vortrag folgt

Bismarck antiautoritär

Christine Sterly-Paulsen
 

„Bismarck Antiautoritär“ ist der Versuch, ein Monument mit einfachen, künstlerischen Mitteln ein Stück weit zu demontieren.

Bild rechts: Ch. Sterly-Paulsen

Der Titel ist Antithese zum Gehorsamskult, den preußischen Tugenden wie Fleiß, Ordnung und Pflichtbewusstsein, die zugleich für eine Form der Erziehung stehen, die einen bestimmten Untertanentypus hervorgebracht hat. Bismarck als Ikone des Preußentums bietet sich an, mit der gebotenen Respektlosigkeit umgewidmet zu werden – für eine Erziehung zum Ungehorsam.

Mit Papier, Schablone und einer reduzierten Palette von Weiß, Schwarz, Rot und Preußischblau habe ich verschiedene Ideen umgesetzt, die sich zu dessen kurzzeitiger Verwandlung auf das Hamburger Bismarck-Denkmal projizieren lassen. Da dieses Vorgehen kinderleicht ist, sind auch die ersten Kinderbilder zur Projektion auf den Koloss in der Präsentation enthalten. Viele Variationen sind denkbar, die sich mit Kindern verschiedener Altersstufen umsetzen lassen.

Siehe Bild "Bismarx" in der Galerie

Bismarck als Sozialistenfresser (und nicht nur Sozialisten, dazu später mehr) hat sich zugleich durch seine Sozialgesetzgebung ausgezeichnet. Hier trifft er sich mit seinem Widersacher Marx. Dazu ist die Arbeitsethik beiden gemeinsam, und auch in der politischen Linken gab und gibt es einen Hang zu Autorität und Gehorsam.

Erich Mühsam zu Marx, ein kurzer Text aus dem Jahr 1906, dem Jahr, in dem das Hamburger Bismarckdenkmal eingeweiht wurde, und lange vor dem real existierenden Sozialismus:

„Vater Staat als einziger Arbeitgeber, als monopolistischer Ausbeuter, sorgt für ausgiebige Beschäftigung der Arbeitswilligen und übernimmt die Funktionen unserer Wohltätigkeits- und Versicherungsvereine in eigener Regie. Daß dadurch ein Beamten- und Bureaukratenregime geschaffen würde, gegen das etwa das Königreich Preußen ein wahres Findelhaus wäre, ficht natürlich die Masse der kommandogewohnten Arbeitsheloten nicht an. Ihr genügt zum Wohlsein und zur Zufriedenheit das allsonntägliche Huhn im Topf und das ihr von den marxistischen Pfaffen, dem Aufklärus, unentwegt suggerierte Bewußtsein, daß ihre, durch Arbeit den allgemeinen Interessen geleisteten Dienste ihr von der Allgemeinheit im gerechten Verhältnis vergütet werden.“ (Erich Mühsam, Fanal, herausgegeben von Kurt Kreiler, Berlin 1977, S. 51f)

DER ROTE HERING

Als die Zeichnung des Bismarx fertig war, schien mir noch etwas zu fehlen. Ich wollte, dass das „Kapital“ seinen Inhalt freigibt. Sollten die gequälten Massen aus dem Buch hervorquellen? Ich entschied mich schließlich für einen roten Hering – rot wegen Marx, Hering wegen Bismarck. Zugleich ist ein „red herring“ ein Ablenkungsmanöver, eine falsche Fährte, Ablenkung vom Wesentlichen, Propaganda.

Siehe in der Galerie Bild Bismarck mit Marx' Kapital und einem roten Hering in der Hand

Siehe in der Galerie Bild "Superheld"

Format und Stil des Hamburger Bismarckdenkmals legen die Assoziation „Superheld“ nahe. Dazu gehört, dass der eiserne Kanzler nicht in Zivil dargestellt wird, sondern in mittelalterlicher Rüstung mit Schwert. So altertümelnd ihre Kleidung ist, so sehr greift der Stil der Statue ihrer Zeit voraus. Tatsächlich fand ich eine frappierende Ähnlichkeit zu Denkmälern von Väterchen Stalin – heute meist umgestürzt. Statt eines Stalins habe ich zunächst einen Helden in Tiergestalt gewählt (entsprechend Spiderman oder Batman). Bei Bismarck bot sich die Deutsche Dogge an. Dazu qualifizieren nicht nur Unterwerfung und Gefräßigkeit: Bismarcks Gesicht ähnelt dem einer Dogge und er war tatsächlich begeisterter Doggenhalter.

George Lucas soll zu Darth Vader durch die Rüstung eines Samurais inspiriert worden sein – überzeugt bin ich nicht. Schließlich klingt auch seine Filmmusik nach Wagner.

Siehe in der Galerie Bild "Held der Nation"

Das Superheldenthema bietet sich ausnehmend für kindliche Künstler an – noch umzusetzen.

MEISTESSER

Bismarcks titanische Fresserqualitäten haben mich zu dieser an Goyas Gemälde „Saturn verschlingt seine Kinder“ angelehnten Interpretation seiner Gestalt inspiriert. Schauerlich ist der Fakt, dass die gefressenen Kinder einige Jahrzehnte später tatsächlich im Bauch der Statue sitzen sollten – im Bunker. Das Verschlingerwesen Bismarck hat teils barocke Züge (eine andere mögliche Gestalt zur Illustration wäre Gargantua oder Pantagruel), teils sadomasochistische Qualitäten. Der „Meistesser“ bezeichnet einen bestimmten Politikertyp aus Elias Canettis „Masse und Macht“ – fressen, um nicht gefressen zu werden.

Siehe in der Galerie Bild "Meistesser"

Aufschlussreich ist die Schilderung seines Sekretärs Christoph von Tiedemann, dem gütig die Benutzung von Bismarcks Nachttopf gestattet wurde: „Wir treten dort ein und finden unter einem Riesenbett die Gegenstände, die wir suchen, in zwei Exemplaren von geradezu phänomenalen Dimensionen. Als wir uns an die Wand stellen, sagt Sybel so recht aus tiefstem Herzen: ʻEs ist doch alles groß an dem Mann, selbst die Scheiße!ʼ“

MEISTESSER AUS KINDERSICHT

Die Beschreibungen von Bismarcks opulenten Mahlzeiten (ebenfalls von Christoph von Tiedemann für die Nachwelt aufgezeichnet) wirken auf Kinder unwahrscheinlich und erheiternd. Ich erzählte von seinen Frühstücken – sechzehn Eier, „Roastbeef oder Beefsteak mit Kartoffeln, kalter Wildbraten, Krammetsvögel, aufgebratener Pudding usw.“, einem Picknick mit einem halben Hasen, zwei gebratenen Rebhühnern, einer Rehkeule, verschiedener Wurst, Bier, Rotwein, Nordhäuser und Cognac.

Siehe in der Galerie das Bild von Greta Engelsberg

Anschließend blieb den Kindern überlassen, was die von mir zur Verfügung gestellte leere Bismarckhülle alles verschlingen sollte. Während die beiden Zweitklässlerinnen ihm einfach mit viel Vergnügen den Magen stopften, erkennt man auf der Zeichnung der dreizehnjährigen Schülerin ernsthaftere Reflexionen, die von deren historischem Hintergrundwissen sprechen. Die Sanduhrform, die sie Bismarcks Körper gibt, erinnert interessanterweise an Chronos (Saturn).

Siehe in der Galerie die Bilder von Iva Trendelmann und Lina Rosenthal

PREUSSISCHBLAUE PÄDAGOGIK

Siehe hierzu Bild von Bismarck im Zwangskorsett von Ch. Sterly-Paulsen in der Galerie

Was ein Foltergerät für politische Gegner zu sein scheint, ist ein Schreberapparat, den der Erfinder der beliebten Kleingärten den eigenen Kindern zugedacht hat – sowie dem kleinen Anarchisten, den es in jedem Kind zu vernichten gilt. Die erzwungene gerade Haltung, der gerade Kiefer, die Apparatur zur Verhinderung der Onanie; alles das fasste Schreber unter dem Namen „Kallopädie“ zusammen – Erziehung zur Schönheit. Was tatsächlich herauskam bei dieser gewaltsamen Abtötung des eigenen Willens ist das, was die Welt später als den „hässlichen Deutschen“ kennenlernen sollte. Das verweist direkt auf den Faschismus und damit wieder auf den Bunker im Unterleib der Statue, dessen Wände geschmückt sind mit Zitaten Bismarcks, darunter dem in diesem Kontext aufschlussreichen: „Wir sind nicht auf dieser Welt, um glücklich zu sein und zu genießen, sondern um unsere Schuldigkeit zu tun.“

Hamburgs größter Pfeffersack lässt viel Raum für gestalterische Assoziationen, eine spielerische und dabei kritische Auseinandersetzung mit einer Gestalt, die eine ganze Epoche und Geistesrichtung personifiziert. Durch ihre Projektion kann eine kleine Zeichnung ein großes Denkmal für Sekunden oder Minuten verwandeln – symbolische Macht in Kinderhand (oder Künstlerhand).

Siehe hierzu in der Galerie Bild von Bismarck als Pfeffersack

Quellen:

Elias Canetti, Masse und Macht, Hamburg 1960

Erich Mühsam, Fanal, herausgegeben von Kurt Kreiler, Berlin 1977

https://www.sueddeutsche.de/politik/bismarck-anekdoten-von-doggen-und-nachttoepfen-1.2412881(aufgerufen am 16.11.2021)

https://www.deutschlandfunk.de/bismarck.700.de.html?dram:article_id=81269 (aufgerufen am 16.11.2021)

https://www.zm-online.de/news/gesellschaft/ein-kanzler-auf-diaet/ (aufgerufen am 16.11.2021)

https://www.nordische-esskultur.de/von-bismarckhering-rollmops/ (aufgerufen am 16.11.2021)

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen-ein-kochbuch-auf-den-spuren-otto-von-bismarcks-1132386.html (aufgerufen am 16.11.2021)

https://www.projekt-gutenberg.org/schrebem/zimmergy/chap001.html (aufgerufen am 16.11.2021)

 

Alle Bilder, wenn nicht anders angegeben, von Christine Sterly-Paulsen.
 

Beam-Team

on the fly

Wir bilden aus:
Neue Projektionist*innen 
für Hamburg gesucht!

 

Pressemitteilung (Archiv)

Projektion Bismarck #4

Mittwoch 4.8.21, ab 22.00 Uhr, Bismarck-Denkmal Hamburg

Die Künstlergruppe „Projektion Bismarck“ projiziert am 4.8.2021 ab 22 Uhr neue politische Variationen zum Thema „decolonize Bismarck“ direkt auf das Bismarck-Denkmal als Expanded Cinema. „Projektion Bismarck“ sind Hamburger Künstler- und WissenschaftlerInnen, die sich einmischen in die kontroverse Diskussion um das Denkmal. Der antikoloniale Diskurs und andere Diskurse werden direkt auf den Körper des Denkmals projiziert.

Ort: Bismarck-Denkmal, Kersten-Miles-Brücke / Seewartenstraße

„Projektion Bismarck“ schlägt vor, die Auseinandersetzung mit Bismarck nicht nur im eventuell angedachten Sockelmuseum und/oder einem "Gegendenkmal" zu erschöpfen, sondern dass die Debatte auf den Körper des Eisernen Kanzlers selbst projiziert werden, temporär oder ständig (ab Einbruch der Dunkelheit).

Wechselnde Inhalte, offen für andere Beiträger und Gruppen und verschiedene Meinungen.

Die Vielfalt der Diskussion um das Bismarck-Denkmal sichtbar machen! Kolonialdenkmal und / oder Nationaldenkmal: Welche politischen Strategien werden in Hamburg sichtbar? 

Projektionsthemen: die historische Rolle des Denkmals, zwischen den Stadtteilen Neustadt und St. Pauli, die Tradition des Ortes Alter Elbpark (Wallanlage, ehemals Ausstellungsgelände, Denkmalsort), die Spenden der patriotischen-nationalistischen Hamburger für das Denkmal, der Zusammenhang mit der Speicherstadt Hamburgs, mit der Kolonialgeschichte, Geschichte der Denkmalstürze (u.a. Zar, Lenin, Saddam Hussein, Black-Lives-Matter-Bewegung). Bismarck als Stadtteil-Pinnwand!

Wir wollen ein breites Spektrum für diese Projektionsfläche, die Bismarck und seine Zeit bis heute verhandelt, von Flugblatt-Filmen bis zu politischen und poetischen Wortspielen, Dada, Haikus, Afrika-Debatte, Einbeziehung der Kinder, Kolonialdebatte, Fremdenfeindlichkeit, Migration, Neonazis und Formen des Rassismus.

„Projektion Bismarck“ ist ein Diskussionsbeitrag im Kontext der öffentlichen Debatte um das Denkmal

Zur Gruppe „Projektion Bismarck“ gehören: Claus Deimel, Alke Dohrmann, Birgit Dunkel, Hubertus Gaßner, Rasmus Gerlach, Christopher Mondt, Christine Sterly-Paulsen, Thomas Tode. Abbildung oben: Artwork Birgit Dunkel

Ansprechpartner: Dr. Claus Deimel clausdeimel@mac.com  

Rasmus Gerlach, Moonlightmovies@t-online.de 

Elmenhorststrasse 2, 22767 Hamburg Telefon 0172 1725044

https://www.projektion-bismarck.de

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Kontakt

 

E-mail: info@projektion-bismarck.de